Donnerstag, 3. August 2017

HENNES ELEVEN Naldo

Naldo
Ronaldo Aparecido Rodrigues

Saison 2005/2006
Der letzte Winter vor dem Sommermärchen.

Norbert Maier spielt am Nikolausabend Knecht Ruprecht und hat eine Kopfnuss für Albert Streit dabei. Wer es nicht weiß, Norbert Maier ist Trainer des MSV Duisburg, Albert Streit Spieler vom 1. FC Köln. Maier, dieser falsche Fuffziger sinkt daraufhin zu Boden. Mimt das Opfer! Schmierentheater. Streit sieht rot. Für den Schiedsrichter - Manuel Gräfe - bringe ich mittlerweile sogar Verständnis auf. Wer glaubt schon, dass ein Trainer einen Spieler niederstreckt? Mit einem Mann weniger kommen wir nicht über ein 1:1 hinaus.
Es war ein Nachholspiel. So steht die Mannschaft fünf Tage später schon wieder auf dem Platz. Ohne den gesperrten Streit. Auch Podolski sitzt eine Gelbsperre ab. Es ist der 16. Spieltag. Gegner im Rhein-Energie-Stadion zu Müngersdorf, Werder Bremen. Bei diesem Club rumpelte Maier als Spieler, aber das nur nebenbei.

Der FC geht 1:0 in Führung. Das entspricht nicht ganz dem Spielverlauf, ist uns aber Wumpe.
Noch vor der Pause gleicht Werder aus. Naldo bringt einen Freistoß aus 30 Metern unhaltbar im Kölner Kasten unter. Vollspann, volles Karacho in den Winkel. Die ganze Südkurve staunt Bauklötze. Ich lasse mich dazu hinreißen anerkennend in die Hände zu klatschen. Meine Stehplatznachbarn sind etwas irritiert, ich frage: „Ja was denn?“ „Hast ja Recht, war nicht schlecht!“, ist die verständige Antwort.

Der ganze Verein Werder Bremen ist zu der Zeit nicht schlecht. In den zweiten 45 Minuten nehmen sie uns auseinander, 1:4 der Endstand. Die Meistermannschaft von 2004 war vom Erfolgsduo Allofs/Schaaf nochmal verstärkt worden. Micoud ist noch immer der überragende Spielmacher. Tim Borwoski spielt die beste Saison seines Lebens und im Sturm treffen Klose, Valdez und Klasnic nach Belieben. Am Ende der Saison stehen nur die Bayern besser da, als die Elf vom Weserstrand.

Auch in der Champions League hätten sie es weit bringen können. Doch der ganz in rosa gewandete Rheinländer Tim Wiese, rollt sich im Juventus Stadion einmal zu viel ab. Tags darauf rocken BAP andere kölsche Leeder, in Bremen. In tiefer Verbundenheit erscheinen sie in rosa Wiese Trikot. Aff un zo steht mer sich selvs em Wääsch. Kopp huh Jung!

Wenn ich an Werder Bremen denke, dann denke ich auch an den Fußballkommentator Rolf Töpperwien. Bisweilen wirkte er nicht wie ein objektiver ZDF Angestellter, sondern wie der persönliche Pressesprecher des Trainers, Otto Rehhagel. Ein Pressesprecher mit hohem Sendungsbewusstsein. Er war der Erste, der sich bei jedem Interview selbst mit ins Bild drängte. Nur den Spielern den Platz auf der Mattscheibe zu überlassen und schön brav aus dem Off zu arbeiten, kam für Töppi nicht infrage.
1992 so schien es, hatte er die komplette Bremer Flughafen Leitung unter seinen Fittichen.
Bremen gewann am Vortag, durch ein 2:0 über den AS Monaco, den Europapokal der Pokalsieger - je schneller man den Cup ausspricht, umso schöner wird's. Nun stehen der übliche Autokorso und die Feier auf dem Rathausbalkon an. Schon am Flughafen warten die Fans zu Tausenden, auf ihre Helden. Zusammen mit meinen Brüdern verfolge ich das Spektakel am Fernseher. Rolf Töpperwien kommentiert.

Das Flugzeug mit den Pokalhelden landet. Die Treppe wird herangefahren. Langsam gehen die Türen des Flugzeugs auf. Wie es um Töpperwiens Selbstverständnis bestellt ist, hören wir Sekunden später. Nur zu erzählen was geschieht reicht ihm nicht. Töppi dreht die ganz großen Räder. Inklusive staatsmännischer Huldigung für Konig Otto.
Voller Inbrunst und Überzeugung platzt es aus ihm heraus:
„Und ICH gebe jetzt das Signal! Otto Rehhagel betritt deutschen Boden.“

Meine Brüder und ich gucken uns an und platzen fast vor Lachen.
Töppis Betonung liegt eindeutig auf dem Ich. Was um alles in der Welt hat er damit zu tun, wenn die Tür des Flugzeugs aufgeht?
„Pilot an Tower! Können wir landen?“
„Einen Moment bitte. Töppi hat noch kein grünes Licht gegeben!“
Ja, ja...in deinen Träumen Digga!

Rolf Töpperwien, Europapokalsieger 1992


Bildquelle: noz.de

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7. November 2017