Montag, 28. August 2017

HENNES BUNDESLIGA 2. Spieltag

2. Spieltag
Kellerkinder

Das ist natürlich ein Ärgernis wenn der Eurosportplayer nicht funktioniert. Den Verantwortlichen tut das aber alles sehr leid, sie wissen ja wie der Fan sich fühlt. Klar, ham ja auch janz jenau jewusst wieviel User so'n Stream aushält.
Soll mir auch egal sein.
Letzte Woche den Start verpennt, diese Woche eine Einladung zur Hochzeit.
Gerade noch so die Europa League Auslosung sehen können. Mit vor Aufregung nassen Händen, auf russisch! Der Stream lief einwandfrei.
Danach ging es als Begleiter auf die Hochzeitsfeier.
Die Frau die ich begleite, hat eine Freundin die zum HSV hält. War mir auch neu.
Kann ich aber mit umgehen.
"Och, eigentlich ganz gut, dass ich nicht im Stadion bin. Wenn ich da bin verliert der HSV meistens.", sagt sie. "Ja dann wollen wir mal gucken, ob wir nicht doch noch ein Kärtchen für dich auftreiben.", sage ich. Zur Halbzeit versichere ich ihr, Peter Stöger wird die Mannschaft jetzt heiß machen, um dieses 0:2 noch in einen sicheren Sieg zu verwandeln. Alternativ biete ich an, sie doch noch schnell zum Stadion zu bringen.
Bass erstaunt waren wir beide, dass auf der Running Order um 20:30 nicht von vornherein FC - HSV steht. Dafür ist Kopfecho um 19 Uhr kein bescheuertes Hochzeitsspiel, sondern eine female fronted alternativ Punkrockband.
War mir auch neu.
Kann man sich aber gut geben. Ein Hennes Musiktipp nebenher und noch einen hinterher. Die Braut trommelt bei CONYO. Habe ich zwar nicht gehört, weise ich aber gerne ungefragt blanko drauf hin. Die Programmpunkte um 22 Uhr gehören beide nicht zu meinen Spezialdisziplinen. Habe dann die Reihenfolge einfach umgedreht, dann gings. So erfuhr ich auf der Tanzfläche von der Kölner Heimpleite. Die blöden Sprüche die ich mir anhören musste habe ich vergessen. Außerdem diente die Barbie Girl Tanzeinlage der Frau die ich begleitete, als Aufmunterung. Da war die Stunde schon vorgerückt. So albern und so herrlich anzusehen. Gekrönt mit dem anschließend alles erklärenden Satz, "Aqua war mal meine Lieblingsband!" War mir auch neu.
Und sonst so?
Erinnert sich jemand an die Zeiten - es muss gewesen sein, als Aqua mit Barbie Girl einen ihrer vielen Welthits hatten - als man Tatsachenentscheidungen noch akzeptiert hat? Einige Fußball Puristen haben sich ja Sorgen gemacht, durch den Videobeweis könnten die schönen Diskussionen wegfallen. Diese Sorge war unberechtigt.
Möge die Ehe von Max und der Trommlerin länger Bestand haben als der Videoassistent in Köln-Deutz. Das geht mir auch auf den Sack, dass jetzt ständig von Köln in Verbindung mit der super Technik gesprochen wird. Als würden 0 Punkte nach zwei Spielen nicht schon Schmach genug sein. Hocken die auch noch in einem Kölner Keller! Hätte man doch nun wirklich auch in Babelsberg machen können.

Ohne Musik is quasi alles lau

Freitag, 25. August 2017

HENNES POKALE UEFA - CUP

UEFA - CUP
für usszelose

GRUPPE H

Arsenal F.C.
BATE Baryssau
1. FC Köln
FK Roter Stern Belgrad
















Bildquelle: Maxime Schmid, mapofeurope.com

Donnerstag, 24. August 2017

HENNES ELEVEN Robert Enke

Robert Enke
Nummer 1

Keiner bekommt den Ball gerne durch die Beine gespielt. Es ist die einfachste Art seinen Gegner zu demütigen. Torhüter empfinden da nicht anders. Im Gegenteil. Beinschüsse bedeuten für sie automatisch höchste Torgefahr.
Robert Enke entwickelte dagegen im Laufe seines Torhüterlebens eine Schutzbewegung, die er immer mehr verfeinerte. Er drehte seinen linken Fuß nach innen, bevor er sich im Eins gegen Eins Duell absenkte. Sein Unterschenkel schloss so den Raum, der entsteht wenn man breitbeinig vor dem einschussbereiten Angreifer steht. Schüsse durch die Beine konnte er so mit dem linken Unterschenkel abwehren.

Der Begriff Enketrick hat sich jedoch - anders als Lahmshuffel oder Okochatrick - nicht durchgesetzt. Was zum Vorteil hat, dass ich diese Anekdote nach einer solchen Torwartaktion immer erzählen kann. Eingeleitet mit dem fachmännischen Kommentar, "Ah sieh an, der Enketrick!" Waren sie es bis dahin noch nicht, so sind die Fußballfachkompetenzen im Raum danach in der Regel geklärt. Ein bisschen Töppi steckt halt in jedem von uns.

Von Enkes Tod erfuhr ich aus dem Pro7 Videotext. Bei ihm habe ich mir das behalten. Bei Lady Di nicht. Die war aber auch kein Nationaltorwart sondern nur Princess of Wales.
Für mich kam mit Enkes Tod eine eigene Familiengeschichte wieder hoch. Der Bruder meines Vaters sprang von einer Rheinbrücke in den Tod, als ich 6 Jahre alt war. Ich habe nie verstanden warum. Er stand im Leben, hatte eine feste Arbeitsstelle und strahlte Lebensfreude aus. Was ist ihm dazwischen gekommen? Wovor ist er geflohen? Irgendwas muss doch vorgefallen sein, was man uns Kindern nicht erzählte! So dachte ich bis zu Enkes Tod.

Danach wurde mir erst klar, dass dir alles Glück der Welt nichts nützt, wenn du es nicht spüren kannst. Dass nichts Konkretes passieren muss um keinen anderen Ausweg mehr zu sehen. Die Depression führt dich in den Tod, nicht das Leben. Das führt höchstens in die Depression und bei weitem nicht jede Depression geht einher mit Suizidgedanken. Das Krankheitsbild ist so verschieden wie die Köpfe der Menschen selbst.

Enkes Tod rückte das Thema ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Der DFB, die DFL und Hannover 96 gründeten zusammen mit Roberts Ehefrau Theresa die Robert-Enke-Stiftung. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Maßnahmen und Einrichtungen, die der Aufklärung und der Erforschung oder Behandlung dieser Krankheit dienen.
Mittlerweile gibt es auch eine Enke-App.
Hier kann man sich über das Krankheitsbild informieren und findet Antworten auf häufig gestellte Fragen. Es gibt auch eine SOS-Funktion für direkt Betroffene. Spaß macht das Quiz. Hier wechseln sich Fragen zur Krankheit mit Fußballfragen rund um Robert Enke ab. Die eigene Gefährdung kann im Depressionstest abgeklopft werden, mit Fragen zur Befindlichkeit rückblickend auf die letzten zwei Wochen.
Herunterladen kostet nichts und informiert sein schadet nicht.

Wer sich wie ich gerne an den Torhüter Robert Enke erinnert, dem sei das Buch seines Freundes Ronald Reng empfohlen. Erschienen im Piper Verlag. Licht und Schatten ergeben zusammen die beste Biografie die je über einen deutschen Kicker geschrieben wurde.
Heute wäre Robert Enke 40 Jahre alt geworden. Besser als in Schwermut zu verfallen, ist es sich heute mit Freude an den Sportler zu erinnern. Und im nächsten Eins gegen Eins, wenn der Torwart seinen Fuß nach innen dreht, können wir ja alle wissend nicken. Ah sieh an, der Enketrick!

Deutschlands Nummer 1 / Robert Enke / Hannover 96
  

Hier der Link zur Homepage der Robert-Enke-Stiftung

https://robert-enke-stiftung.de

Bildquelle: goleirodealuguel.com.br, pinterest.de

Montag, 21. August 2017

HENNES BUNDESLIGA 1. Spieltag

1. Spieltag
Manuel Gräfe

Den Start habe ich verpennt. Kurz nach zehn bin ich Freitag wieder aufgewacht. Scheinbar zehn Minuten nach Bayer Leverkusen. Ich seh noch deren zwanzig gute bis starke Schlussminuten in München. Hiermit gute Besserung an einen der Benders!
Bei den Bayern funktionieren schon die Standards und der Videobeweis, macht unterm Strich ein 3:1. Hiermit herzlichen Glückwunsch zur Meisterschaft. Macht was draus!
Allgemein als tragisch wurde die Verletzung von HSV Stürmer Nicolai Müller eingeschätzt. Kreuzbandriss beim Torjubel am Samstag gegen Augsburg.
Ist tragisch das neue saudämlich?
Die Augsburger sind keine Bayern, könnte man meinen. Kein Videobeweis, keine Kekse, kein Elfmeter.
Den gab es dafür abends auf Schalke gegen RB Leipzig, ohne Videobeweis. Dayot Upamecano spielt für den Geschmack von Schiedsrichter Felix Zweyer wiederholt mit zu viel Körpereinsatz. Bentaleb und Konoplyanka sorgen für ruhige Tage bei den Königsblauen.
Dann kommt die Unruhe eben mal woanders her.
Schiedsrichter Zweyer war tief verstrickt in den Wettmanipulationsskandal um Robert Hoyzer 2005, nahm nachweislich Geld von ihm an. Daran erinnerte Schiedsrichter Manuel Gräfe, in einem Interview mit Der Tagesspiegel.
"Jetzt frage ich Sie: Wie kann so jemand bis in die Spitze der deutschen Top-Schiedsrichter kommen? Kann es vielleicht sein, dass Fandel und Krug dort einen Mann haben wollten, der ihnen zu bedingungsloser Loyalität verpflichtet war?" Die Antworten liefert Gräfe im Interview gleich mit.
Für mich der Mann des Spieltags.
Sonntag Nachmittag leitet er Freiburg gegen Frankfurt. Fehlerlos, inklusive Videobeweis. Eine Abseitsstellung - vor Freiburgs vermeintlichem 1:0 - wird durch den Videoassistenten aufgedeckt.
Keine Diskussion.
Zum Abschluss des 1. Spieltags verliert dann Köln in Gladbach.
Abends bei Zeigler erfahre ich, 1977 / 78 ist der Effzeh mit einer 1:5 Pleite in Düsseldorf gestartet. 1978! Dann kann die Derbypleite ja nur der Grundstein einer soliden Doublesaison werden! Mal quer gedacht. Aber was ist dann im UEFA-Cup schief gelaufen? Wir werden sehen, noch 33 Spieltage.

Können diese Augen lügen?

Hier der Link zum lesenswerten Interview mit Manuel Gräfe 



Bildquelle: imago/hartenfelser, getty

Freitag, 18. August 2017

HENNES SPIEL Club O Mat

Keep on rockin' in the free world
Club O Mat

Dieser scheiß Terror!
Ich habe heute morgen den beiden Jungs aus der Bar in Barcelona geschrieben. Im Neymar Text erzähle ich, wie wir uns in der Weltsprache des Lachens so gut verstanden.
La Prudencia del Raval heißt die kleine Tapas Bar.
Wanderer kommst du nach Barca, grüß' sie von mir.


Lasst uns Hoffnung aus unserem Mitgefühl schöpfen und lasst uns die schützen und verteidigen, die daran keine Schuld tragen.

Gestern habe ich auf zeit.de den Club O Mat gefunden.
Mein Ergebnis ist eine (bitte Stimme von Hans Süper annehmen)
bodenlose Unverschämtheit!
Aber eben auch zu heiter um es euch vorzuenthalten.
Ihr könnt ja mal checken was bei euch so rauskommt. Hier ist der Link:

http://www.zeit.de/sport/club-o-mat-fussball-verein-bundesliga


Auf eine friedliche und spannende
Meisterschaftsrunde
2017 / 2018












mehr geändert. 
Vielleicht ein gutes Omen!"


NEIL YOUNG & CRAZY HORSE - Hey Hey, My My (Into the Black)

Bildquelle: JN / sucksdorff.de

Donnerstag, 17. August 2017

HENNES PARTIEN IFK Göteborg - AIK Solna

Spielbericht
Fast verzockt

Kenny Stamatopoulos wurde erpresst und bedroht. Der erfahrene Ersatztorwart des AIK Solna aus Stockholm, sollte am 9. Spieltag -Ende Mai 2017- gegen den Erzrivalen IFK Göteborg absichtlich verlieren. Oscar Linner, 20 jähriger Stammtorwart war gelbgesperrt. Am Nachmittag des selben Tages wurde das Spiel kurzfristig abgesagt.
Dreimal besuchte ich den Fanshop am Stadion des IFK Göteborg, dem Gamla Ullevi. Jedes Mal hoffte ich etwas mehr zu erfahren. Mehr über die Hintergründe. Alles konnte mir Ines, die Verkäuferin, auch nicht erzählen. Schwebendes Verfahren. Polizei und Staatsanwaltschaft stecken noch in den Ermittlungen. "Es hat uns alle geschockt.", versichert Ines "bisher dachten wir immer sowas läuft höchstens in den unteren Ligen. Aber hier in der Allsvenskan war es das erste Mal...hoffe ich!"
Der 20 malige Nationaltorwart Kanadas blieb standhaft. Er meldete den Bestechungsversuch. Daraufhin wurden die Ermittlungen aufgenommen und das Spiel verlegt. "Vielleicht war das großes Glück. Dass sie es bei einem erfahrenen Spieler versucht haben, nicht bei einem jungen!", vermutet Ines weiter. Wer die sind? Dazu will Ines keine Mutmaßungen anstellen. Ob es mit Sportwetten im Zusammenhang steht? "Sicherlich." Diese scheiß Sportwetten, denke ich zum x-ten Mal.
Der Sargnagel meines Lieblingssports. Wo so viele Milliarden umgesetzt werden, da ist die Gefahr des Betrugs allgegenwärtig. Jetzt verdrehen einige meiner Freunde sicher wieder die Augen und denken, fängt der wieder damit an. Ja tue ich! Das ist einfach meine Meinung. Die Wettanbieter haben unseren Sport fest im Griff. Wie selbstverständlich werden mir im Internet neben den Spielinfos direkt die Wettquoten angezeigt. Welch selbstloser Service! Fußballmagazine wimmeln vor Wettwerbeanzeigen. Jeder Verein hat seinen Wettpartner. Nachtrichten und Werbung sind im Sportfernsehen nur noch schwer unterscheidbar. Wie Schweine die schon zu Lebzeiten das Tattoo ihres Metzgers auf dem Rücken tragen. Die dümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber! Ich verstehe es nicht, will ich auch nicht. Aber am Tag X werde ich auch nicht sonderlich überrascht sein.
Wie das Nachholspiel war?
Bombe! 
Fast ausverkauftes Haus. Aus Sicherheitsgründung bleiben die Blöcke neben den Stockholmer Gästen frei. Der Stimmung schadet es nicht. Die IFK - Hymne singen alle aus vollster Kehle mit. Der Unterrang hält die Schals über den Kopf, der Oberrang schwenkt Fahnen. Ein riesen Transparent wird mit Bengalos ausgeleuchtet. Herrlich!
Der Favorit aus Stockholm geht nach vier Minuten 1:0 in Führung, direkter Freistoß aus 20 Metern. Göteborg dreht in der zweiten Hälfte die Partie, 2:1. Nach 75 Minuten sind im Göteborger Fanblock alle Biervorräte ausgetrunken. "Das schaffen wir auch nicht oft!", versichert Nils, unser Stehplatznachbar im Unterrang. "Seid ihr aus Deutschland?", sprach er meine Begleiterin in Hälfte zwei an. Er kannte sich aus. Vom 1. FC Köln hatte er noch nicht soviel gehört. Wird echt Zeit, dass wir uns in Europa mal wieder einen Namen machen! Kann ihm ja schlecht was von Overath und Flohe erzählen, kenne ich ja auch nur aus Legenden. Er erzählte mit leuchtenden Augen von den UEFA-Cup Triumphen des IFK, vor 30 und vor 35 Jahren. Kaiserslautern und Eintracht Frankfurt bezwangen sie dabei. Ob sie da nochmal hinkommen? "Schwierig. Das waren andere Zeiten. Aktuell ist wieder ein Umbruch in vollem Gange. Junge Spieler aus der eigenen Akademie werden eingesetzt. Immer mit der Gefahr, dass größere Vereine sie wegkaufen. Aber der Weg ist auf jeden Fall richtig."
Die 2:1 Führung hielt Göteborg bis in die Nachspielzeit. 4 Minuten waren angezeigt. Da sich Göteborgs Torwart aber -wie ein ganz Großer- in dieser Zeit auf dem Platz behandeln ließ, ging es noch 2 Minuten länger. Der letzte lange Ball fliegt in Göteborgs Strafraum. Wird geklärt, nein doch nicht! Der Ball fliegt irgendwie ins Tor. Ausgleich!
Lähmende Ruhe, Hände vorm Gesicht, luftgefüllte Wangen, der Fanblock hält den Atem an. Ausgleich in letzter Sekunde. Derbysieg verschenkt. Die hier unbeliebten Stockholmer jubeln auf der Gegenseite. Aber nur kurz. Der Schiedsrichter hebt den Arm, läuft in Richtung Fünfmeterraum. Freistoß IFK! Abseits! Treffer zählt nicht.
Schockstarre wird noch einmal zu ekstatischem Jubel. Eine Abseitsentscheidung die wie ein Tor gefeiert wird. Dann der Schlusspfiff. Was für ein geiles Ende! Wie es Nils schon scherzhaft gesagt hat. "Ich verstehe sowieso nicht weshalb Stamatopoulos bestochen werden sollte. Die hätten doch eh verloren!"

WIR HOFFEN DIE FLAMME ERLISCHT NIE!


Snart skiner Poseidon IFK Göteborg Hymn


Bildquelle: somesoccerplayingcanadians, Supporterklubben Änglarna

Dienstag, 15. August 2017

HENNES MEINUNG

Lieber Hennes Acht, 
über das was in Rostock gerade passiert, könntest du mal schreiben.

Diese Nachricht erreichte mich gestern gegen halb zehn.
Bis dahin hatte ich nichts mitbekommen, da ich mich im Urlaub an der schwedischen Natur erfreut habe, statt an den Montagabendspielen des DFB-Pokals.
Kurzer Blick auf die Sportseiten im Internet. Ah so, Rostock - Hertha, haben sich gegenseitig mit Bengalos abgeschossen. Tja, und was soll ich jetzt dazu sagen?

Mindestens in jedem dritten Text hier auf diesem Blog, schimmert durch wie ich zu Gewalt stehe und wie ich mir Fansein vorstelle. Ich versuche niemanden pauschal abzuurteilen. Ich werde den Teufel tun und hier jetzt alle Ultras über einen Kamm scheren. Ich selbst bin keiner Organisation zugehörig. Ich bin kein Vereinsmaier. Wo hundert Leute das gleiche Denken werde ich eher skeptisch. Mir sind aber 100 Ultras vertrauter, als 10 VIP Gäste. Ich bin auch Freund der Bengalos, wenn sie außschließlich zur stimmungsvollen Atmosphäre benutzt werden.
Nach dem letzten Abstieg des 1. FC Köln haben unsere Ultras schwarzen Rauch gezündet. Für viele eine ganz schlimme Sache. Ich fand es super. Aus folgendem Grund. Die FC Spieler waren gezwungen in die Kabine zu rennen. Ich hätte die Bilder nicht ertragen können von am bodenliegenden, Krokodilstränen vergießenden Söldnern im Geißbocktrikot. Diesen schwarzen Rauch werde ich immer verteidigen. Eine passende Aktion. Als wir dann am letzten Spieltag der Vorsaison auf Platz 5 kletterten, wurde dann eine (1) weiße Rauchbombe gezündet. Ich fand es wieder klasse. Eine perfekte Metapher und Ausdruck größter Freude.
Soweit. Ich hoffe es wird klar, dass ich das Thema differenziert betrachte. Ich versuche es zumindest.
Wofür ich null komma null Verständnis aufbringe ist ausgelebte körperliche Gewalt. Rivalität die in Hass umschlägt, oder von vornherein darauf fußt. Wer mit diesen Intentionen ein Stadion besucht, der hat in meinen Augen den Schuss nicht gehört. Wie wichtig kann man sich nehmen? Was ist das für ein Selbstverständnis? Die Hauptatraktion sollte das Spiel selbst sein. Nicht die Werbung, nicht die Wettquoten und auch nicht die Fans. Unterstützen und Begleiten ist angesagt. Auch mal die Stimme erheben, klar. Aber einige nutzen die Bühne lieber um ihr eigenes billiges Stück aufzuführen. Wer ein Problem lebt, der bekommt früher oder später eines.
Und wir, die wir dieses Spiel lieben, müssen dann wegen dieser Idioten Stellung beziehen. Als würde die Welt gerade nicht genug durchdrehen. Was ist los mit euch? Die gesellschaftlichen Hemmschwellen nehmen immer mehr ab. Die Welt ist so im Arsch und jeder zeigt mit dem Finger auf den Anderen und krakehlt warum der jetzt daran mehr Schuld hat als man selbst.
Wie das Problem zu lösen ist? Was weiß denn ich? Mir ist nur klar, dass es uns alle angeht. Und das wir alle unseren Teil beitragen müssen.
Heinrich Böll schrieb mal, "noch hat keiner den Panzer erfunden gegen die Verwundung, die so rasch tötet. Das Gefühl lächerlich zu sein!"
Machen wir sie lächerlich! Humor ist meine stärkste Waffe. Welche ist eure?

Auch das ist Hansa Rostock! Es gibt halt nie nur schwarz oder weiß.



Sonntag, 13. August 2017

HENNES PROGNOSE

BUNDESLIGA 2017 / 2018
Abschlusstabelle

Woran erkennt man den Fußballexperten? Richtig, daran dass seine Tipps meilenweit von der Realität abweichen. So ist diese Tipptabelle eine Investition in die Zukunft. In knapp einem Jahr können wir darauf zurückblicken und uns freuen, dass alles soviel anders kam.
Mit Hilfe des kicker - Tabellenrechners habe ich 34 Spieltage durchgetippt. Das tabellarische Ergebnis seht ihr im Bild. Die Tabellen der 2. Bundesliga und der 3. Liga entsprechen dem aktuellen Stand, da beide Ligen den Spielbetrieb bereits aufgenommen haben.

Der Klassiker. Die kicker Stecktabelle

Freitag, 11. August 2017

HENNES POKALE DFB - Pokal

Saison 2002/2003 Viertelfinale

"Holger, wenn der Klaus morgen Früh was schneller arbeitet, kannst du ihm dann ab Mittag freigeben? Wir fahren zum Pokalspiel nach München!"
Irgendwie merke ich direkt, dass Holger meine Frage weder ganz verstanden noch so richtig ernst genommen hat. Anders kann ich mir sein "okay" nicht erklären.
Es ist Anfang Februar 2003. Wir befinden uns im tiefverschneiten Harz. Klaus ist mein Arbeitskollege, Holger so etwas wie unser Chef. Zumindest hat er in dieser Firma für Outdooraktivitäten mehr zu sagen als wir.
Klaus ist Münchner und, wie es sich für einen richtigen Mingara gehört, Fan des TSV 1860 München. Zwischen Bierchen drei und vier hatte ich ihn am Vorabend davon überzeugt, mit mir zum DFB-Pokal Viertelfinale FC Bayern München - 1. FC Köln zu fahren. Im Verlauf der bisherigen Saison hatte es noch keiner gewagt, uns, den FC Köln zu schlagen. Dementsprechend war es ein Duell der Spitzenreiter. Die Bayern in Liga eins, die Kölner in Liga zwei. "Klausi, die nehmen uns doch gar nicht ernst! Die hauen wir weg! Ecke Springer, Kopfball Lottner, Tor."
Am nächsten Mittag klopfe ich an Holgers Bürotür. "Klaus, fertig? Los geht es!" "Wohin?", fragt Holger irritiert. "Mensch Holger, das hab ich dir doch gestern lang und breit erklärt. Wir fahren jetzt nach München. Zum Pokal!" "Nach München? Ich dachte ihr wollt irgendwo nach Goslar!" "Holger, was sollen wir denn in Goslar? Heute ist Pokal! Wir fahren da jetzt hin, gucken das Spiel, fahren zurück und morgen um neun sitzt der Klaus wieder hier bei dir im Büro. Ist doch alles super! Oder?"
"Haut ab, ihr Spinner!"
Eine gute Stunde später saßen Klaus und ich im Radebergerexpress Hannover - München.
In Nürnberg stieg ein weiterer Spezl von uns ein. Roman, Franke aus Bamberg, seines Zeichens eingefleischter Glubberer. Ihn hatten Klaus und ich in der Nacht noch telefonisch davon überzeugt, dass es absolut keinen Sinn macht am Pokalabend für sein Studium zu lernen, wenn man gleichzeitig Augenzeuge einer wahren Pokalsensation werden kann. Da Roman alles andere als auf den Kopf gefallen ist, leuchtete ihm dies auch sofort ein. Weiter ging die Fahrt zu dritt und wie immer bester Laune.
Die Tickets kauften wir direkt am Olympiastadion. Das war kein Problem. Der Gästeblock war mit 8000 Kölnern gut gefüllt. Für jeweils fünf Euro gewährte man uns den Zutritt. Die Südkurve der Bayern war vielleicht halb so voll wie die Nordkurve. Dazu verloren sich noch insgesamt 1000 Zuschauer im restlichen Stadion. 13.000 Zuschauer in dieser riesigen Schüssel, gähnende Leere! "Was ich sage. Die nehmen uns nicht ernst! Die hauen wir weg!", war meine tiefste Überzeugung.
Das Spiel wurde angepfiffen und bereits nach 7 Minuten gingen die Bayern 1:0 durch Giovane Elber in Führung. "Das ist super! Frühes Tor. Jetzt werden die lässig. Die denken doch jetzt schon, das ist gelaufen!", wertete ich den Gegentreffer als sicheres Siegeszeichen.
In der 20. Minute folgte das 2:0 durch Hargreaves. Zehn Minuten später erzielte der junge Typ mit diesem dämlichen Namen Schweinsteiger sein erstes Tor für den FC Bayern. Zeit drüber nachzudenken blieb nicht. Wiederanstoss Köln, schneller Ballverlust, Elber 4:0! Nur 65 Sekunden nach dem 3:0.
Für einen kurzen Moment wurde es mucksmäuschen still im Block.
Daher konnte man auch gut vernehmen, was eine kleine Gruppe im nächsten Moment anstimmte: "Denn wenn et..." Wie eine Befreiung, wie der zur Erlösung führende Urknall stimmten alle, wirklich alle mit ein, "...TRÖMMELCHE JEHT, DANN STONN MER ALL PARAT. UN MER TRECKE DURCH DE STADT UN JEDER HÄTT JESAAT, KÖLLE ALAAF, ALAAF. KÖLLE ALAAF!"
Und so ging es weiter, ohne Unterlass, das ganze restliche Spiel über. Karnevalslieder als Pfeifen im Walde. Eins nach dem Anderen. Klassiker auf Klassiker, das große Repertoire.
Irgendwann kam der Schlusspfiff, die Anzeigetafel verkündete 8:0 für Bayern München. Unsere Spieler wollten vom Platz trotten, wir ließen sie nicht, "WIR WOLL'N DIE MANNSCHAFT SEHEN!" Etwas zögerlich, nicht wissend ob wir sie verarschen wollen, kamen sie zu uns. Um dann zu spüren, wir meinten das ernst. Wer am Boden liegt braucht keinen weiteren Tritt, der braucht ein weiches Kissen. Wir gaben es Ihnen. Inklusive Decke gegen die Kälte.
"Sportlich absolute Katastrophe, menschlich 1A. Meine Güte seid ihr bescheuert!", war die treffende Spielzusammenfassung, der Herren Klaus und Roman. Wie als Beweis dafür, dieses Spiel, diese Tour, wirklich erlebt zu haben unterschrieben wir uns gegenseitig unsere Eintrittskarten. "Ich würd's wieder tun! Klaus" und "Danke für den legendären Fußballabend! Mit sportlichem und freundschaftlichem Gruß, Roman", sind das Liebste was mir an Männerkomplimenten je zuteil wurde.

Klaus saß am nächsten Tag wirklich um 9 Uhr wieder 400 km weiter nördlich in Holgers Büro. Dieser hatte ein Einsehen und schickte ihn um 9:15 ins Bett mit der Bitte, erst am nächsten Tag wiederzukommen.
Für mich ging das Spiel ein paar Wochen später in die Verlängerung. Karnevalsfreitag in der Hitdorfer Schützenhalle. Andreas Rettig, damaliger FC Manager - kein schlechter, hinterließ den Verein schuldenfrei - feierte Fastelovend in seinem Heimatdorf. Am Bierstand stand er neben mir. Ich denk, sagste mal was.
"Das ist übrigens ganz okay, was du so machst.", informierte ich ihn.
"Bist du FC Fan?" fragt er darauf.
"Ein bisschen."
"Ein bisschen gibt es nicht!"
"Ich war in München!"
"Beim null zu acht?"
"Jepp!"
"Hier!" sprach Rettig und stellte sich wieder in der Schlange an, um sich ein neues Bier zu holen. Sein frisches war in meine Hand gewandert.

8:0 paar Bayern sind auch da.


Bildquelle: Sören Stache / dpa Bildfunk

Donnerstag, 10. August 2017

HENNES ARENEN Ullevi-Stadion

Ullevi
Göteborg

43.200 Plätze
Erbaut wurde das Stadion anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 1958.
Schweden setzte hier der Titelverteidigung Deutschlands im Halbfinale ein Ende.
Ein Desaster für die Helden von Bern. Diese schoben die Schuld den schwedischen Zuschauern in die Schuhe.
Das Ullevi fasste damals noch 53.000 Zuschauer. Erstmals gab es sowas wie einen Anheitzer. Ausgestattet mit einer analogen Flüstertüte gab er die Stimmung vor. Sprechchöre und rhythmisches Klatschen wurden so intoniert. Das Stadion verwandelte sich in einen Hexenkessel. Die deutsche Presse war aufgebracht. Sie schrieben von einem "patriotisch aufgeheizten Publikum". Die Atmosphäre wurde als unsportlich wahrgenommen. Geschenkt. Weltmeister wurde eh das 17-jährige Wunderkind Pelé, zusammen mit ein paar anderen Brasilianern.
Mir ist das Stadion seit der EM '92 vertraut. Dänemark gewann dort sensationell das Finale gegen Deutschland. Heute wird nur noch selten Fußball im Ullevi gespielt. Aktuell bereitet sich die Arena auf die Europameisterschaft des Pferdesports vor. Der IFK Göteborg trägt seine Spiele im Gamla Ullevi aus. Ein reines Fußballstadion ohne Laufbahn. Wie dort die Atmosphäre ist, erlebe ich am Donnerstag beim Derby gegen Stockholm. Bis dahin, sportliche Grüße aus Göteborg, euer Hennes.

Plakat der WM 1958

Dienstag, 8. August 2017

HENNES GÄSTE

1111 Klicks
20. Juli - 8. August


Alaaf, Danke und Helau!



 Ihn freut's! 
Die 1111. Klickerin erhält als Dankeschön eine Karte für kommenden Donnerstag, zum Nachholspiel der schwedischen Allsvenskan.
IFK Göteborg -  AIK Stockholm. Herzlichen Glückwunsch!
Spielbericht folgt.

HENNES ELEVEN Ewald Lienen


Ewald Lienen
Nichtraucher

Montagabendspiel der 2. Liga.
Hannover 96 – 1. FC Köln.
Saison 1999/2000, 30. Spieltag.

Sollte Köln gewinnen, dann ist ihnen der Aufstieg nicht mehr zu nehmen. Danach sieht es aber nicht aus. Hannover überrumpelt Köln, sie spielen sehr aggressiv und führen schnell mit 2:0.
Köln versucht über den Kampf ins Spiel zu finden. Etwas überraschend gelingt der Anschlusstreffer kurz vor der Pause. Lottner schließt aus sechs Metern ab, nach Zuspiel von Springer.
In den zweiten 45 Minuten entwickelt sich ein offener Schlagabtausch, mit viel Tempo.
Köln drängt auf den Ausgleich. Ein weiter Ball fliegt in den Strafraum der 96er, Lottner hat eine gute Möglichkeit, doch der Hannoveraner Lala rettet per Handspiel. Schiedsrichter Hufgard lässt zu Unrecht weiterspielen, im direkten Gegenzug erzielt Hannover das 3:1.
Ernüchterung macht sich breit.
Wir fangen an zu schwadronieren, dass es eh mehr Spaß macht zu Hause aufzusteigen, als irgendwo in der Provinz. Da will es die Legende, dass Feidens Bruder in unser Gezeter hinein verkündet: „Das ist mir sowas von egal! Ich feier heute Aufstieg!“ Diesen Worten lässt er als Tat, die Entzündung einer dicken, fetten Zigarre folgen. Seine Arme sind kaum lang genug so fett ist die.
Ab diesem Moment überschlagen sich die Ereignisse.
Cullman und Chichon stellen binnen drei Minuten den Ausgleich her. Feiden lässt uns wissen, dass der Anteil seiner Nikotinsucht daran gar nicht hochgenug zu bewerten sei.
Ab der 81. Minute mag ich mich seiner Meinung nur noch anschließen.
Der Köln - Ehrenfelder Alexander Voigt macht das einzig Richtige, wenn man nicht weiß wohin mit dem Ball. Er hämmert die Kugel mit einem Gewaltschuss ins Tor. Als ob es immer so einfach wäre. Pures Glück breitet sich wie dichter Zigarrenqualm aus.
Sechs Minuten vor dem Ende macht Kurthi alles klar. 5:3 gegen Hannover. Aufstieg 2000. Jan Hofer durfte die Nachricht ins Programm nehmen.
Trainer der Truppe war Ewald Lienen.
Er formte diese Mannschaft und prägte auch den Verein. Vor jedem Spiel sprang er über die Werbebande und schritt klatschend die Fankurve entlang. Danke fürs Kommen, gebt Gas!
Ewald Lienen ein Trainer mit ganz viel Haltung.
Nicht von ungefähr übertrug sich das friedlich tolerante Klima der Stadt, unter seiner Regie auch wieder auf den Verein. Aus dem Geißbock Echo ist mir eine Anzeige aus dieser Zeit in Erinnerung. Dort war ein Zebra abgelichtet, es schaute seitlich in die Kamera. Sein Rücken war gesattelt mit der roten Decke von Geißbock Hennes. Darüber stand: FC für Toleranz!
Wie zerbrechlich dieser Frieden ist, davon wusste bald auch wieder der 1. FC Köln ein Lied zu singen.
Aber 2000 war dank Ewald erstmal wieder alles im Lot.

5:3 gegen Hannover. Ewald hät et jedonn!


Bildquelle: dpa

Montag, 7. August 2017

HENNES ELEVEN Neymar


Neymar 
Shots for free

Eine knappe Woche in Barcelona, Mai 2015.
Um die Ecke der Straße, in der zwei Freunde und ich ein Quartier bezogen hatten, lag eine kleine einladende Bar. Hohe Fensterfront, ein Bereich mit Tischen, Stühlen und Bänken, sowie eine leicht geschwungene, dezent dunkle Theke mit Barhockern.
Der ideale Ort um in die Nacht zu starten.
Lässig betrieben wurde die Bar von zwei über das Studium befreundeten Männern in den Dreißigern. Eric und Mateo. Unser erster Wortwechsel ergab sich durch das Bestellen dreier Cocktails. Diese wurden von den Beiden mit Hingabe gemixt, dementsprechend exzellent schmeckten sie auch. „Wir bieten eh nur vier Cocktails an,“, erklärte Eric. „die machen wir dann aber auch richtig.“ Klares Konzept, schöne Bar, herzliche Gastgeber. Wir fühlten uns augenblicklich wohl.

Natürlich kamen wir auf Fußball zu sprechen.
Unser Aufenthalt lag zwischen den Spielen des Champions League Halbfinals, Bayern-Barca. Barcelona gehört nicht zu den Städten in denen man nicht merkt, welcher Club dort beheimatet ist. Das liegt nicht nur an den ganzen Messi Trikots, die von Babygröße bis dreimal größer Messi, in jedem Souvenirlädchen der Stadt zum Kauf bereit hängen.
Als Barca dienstags in München spielte, erfüllte der Klang des Fußballs die ganze Stadt. Ein Konzert aus Ahs und Ohs drang hinaus auf die Plätze, die im warmen Abendlicht für 90 Minuten Spiel, kampflos den Touristen überlassen wurden.
Eric ist Katalane und Barca Fan. Mateo, Freund und Teilhaber stammt aus der Gegend um Madrid. Sein Herz schlägt für Real. Der Freundschaft tut dies keinen Abbruch. Bei den Beiden ist die Fußballrivalität genau dort wo sie hingehört. In der Welt des Flachs und der Ironie. Ein Ort in dem sie auch in meinem Freundeskreis fest verwurzelt ist. Auch wenn es manchmal stürmt.

So war es auch der Real Madrid Fan Mateo der mir auf englisch erzählte, wie sehr er Barcelonas ehemaligen Trainer Pep Guardiola schätze. Seinen geistigen Ansatz, seine Menschenführung. Er stelle den Teamgedanken über alles Andere. Keiner ist wichtiger als die Gruppe. Eine sehr katalanische Haltung und Ausdruck seiner Wurzeln, erklärte er mir.
Auch Guardiolas erste Schritte beim FC Bayern habe er ganz genau verfolgt. Beeindruckt sei er gewesen, dass Pep seine erste Pressekonferenz bereits auf Deutsch gehalten habe. Für ihn auch Ausdruck, mit welchem Respekt Guardiola den Menschen begegnet.
Da hakte ich ein. Verständig nickend sagte ich zu ihm:
‚I do understand that well. My home club the 1. FC Köln at the same time hired a foreign coach. We were surprised about his good German! Very impressive. And he is from Austria! From Austria!'
Ab da gab’s die Shots for free.
Meine Freunde danken es mir heut noch. Mein' ich.

Neymar sahen wir im Spiel gegen Real Sociedad live im Stadion. Ein Vergnügen welches sich Eric und Mateo nur noch höchst selten leisten. Die Eintrittspreise sind einfach astronomisch hoch.
Von Neymar ist mir eine spektakuläre Ballannahme in Erinnerung geblieben. Mit Kung Fu Sprung den Ball aus der Luft pflücken, einmal um die eigene Achse drehen, den Ball über sich hinweg schlagen, nochmal drehen und den Ball in Richtung Tor mitnehmen. Alles im höchsten Tempo. Klar, ein überragender Fußballspieler.
Jetzt haben ihn die katarischen Eigner von Paris Saint Germain unter Vertrag genommen. Das Gesamtvolumen des Transfers soll 500 Millionen Euro betragen. Eine halbe Milliarde! Für einen Spieler eines Spiels!
Insofern hat auch die Cocktail Geschichte ihren Sinn.
Diesen Transfer kann sich mancher nur noch schön saufen.

Neymar, gut geölt in neuen Farben.


Bildquelle: fundresearch

Sonntag, 6. August 2017

HENNES ELEVEN Rudi Völler

Rudi Völler 
Torjäger

Seit einer Viertelstunde versuchten sie es.
Rudi Völler sollte sein Tor erzielen.
Mit der letzten Möglichkeit klappte es.
Hans-Peter Lehnhoff zog eine Flanke von der rechten Seite, butterweich an den Fünfmeterraum. Dort lauerte Völler. Seit seiner Einwechslung bemühten sich die Mitspieler, die eine Chance für ihn herauszuspielen. Jetzt war sie da und Rudi selbstverständlich auch. Schulbuchmäßig nickte er den Ball ins Tor.
4:0 für Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt.
Zur Nennung des Torschützen nutzte die Stadionregie, die gesamte Breite der Anzeigetafel aus.

4:0 Ruuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuudiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii (90.)

Der Mann war beliebt wie damals kein Zweiter.
Wie vor ihm nur Uwe Seeler - nach ihm nur Podolski.
Vor seiner Einwechslung lief er zwischen den beiden Blöcken A und G, die Torauslinie auf und ab. Es war egal auf welchen Block er zulief. Jedes Mal schallte ihm der lang und länger gezogene Ruf seines Namens entgegen. Dies ist insofern bemerkenswert, da im G-Block die Fans der Eintracht standen. Mit ehemaligen Kickers Offenbach Spielern können die für gewöhnlich nichts anfangen. Rudi war aber nicht gewöhnlich.
Rudi war die große Ausnahme. Er quittierte die Rufe zunächst mit Zuwinken, nach dem fünften Mal dann mit Abwinken. Inklusive typisch verschmitztem Völler Grinsen.
Das Spiel lief an einem sonnigen Sonntagabend, Ende August ´94. Ich erwähnte es schon im Text über Bernd Schuster. Genau in diesem Spiel erzielte Schuster das Tor des Jahrzehnts.
Ich hätte es nicht schauen können, wäre das Spiel samstags gewesen. Aber sonntags gab es frisches Taschengeld. Zusammen mit den restlichen Münzen der Vorwoche, reichte mein Budget für die Eintrittskarte. So schwang ich mich am späten Nachmittag aufs Rad und fuhr die fünfzehn Kilometer zum Stadion.
Es war die Zeit in der die Legionäre heimkamen. Matthäus nach München, Effenberg nach Gladbach, Andreas Brehme –der konnte links wie rechts- nach Kaiserslautern. Reuter, Sammer, Möller und Riedle -später noch Kohler- für zwei Meisterschaften und eine Champions League nach Dortmund.

Hatten sich die Transferbemühungen von Bayer 04 bisher überwiegend auf Brasilianer und ehemalige DDR Nationalspieler beschränkt, mischte man jetzt erstmals im Transfergebaren der Topclubs mit. Erst ´93 Bernd Schuster, jetzt Rudi Völler. Als die beiden wieder weg waren kam Christoph Daum an die Seitenlinie. Mit ihm dann auch endlich der maximale sportliche Erfolg. Schöner Fußball ohne Titel.
Den hätte es sicherlich gegeben, wenn Calmund auch mal Geld für einen richtigen Torwart in die Hand genommen hätte. Bei Oliver Kahn scheute er das Risiko, die Bayern griffen zu. So dauerte es noch viele Jahre bis - nach Rüdiger Vollborn - mal wieder ein brauchbarer Torwart im Kasten der Werkself stand. Da war das Vize-Image längst begründet. Jeder trägt halt den Schuh in den er schlüpft.

In seiner ersten Saison traf Völler 16 Mal in 30 Spielen, war jeweils überragend in den rheinischen Duellen gegen Köln und Gladbach. Insgesamt lief die Saison jedoch nicht rund für Bayer 04. Nur Platz 7 am Ende. Seine letzte Saison bescherte ihm dann Abstiegskampf pur. Eine neue Erfahrung. Zehn Tore steuerte er zum Klassenerhalt bei. Ein versöhnlicher Abschluss einer großen Karriere.
Der früh ergraute Wolf hing seine Schuhe an den Nagel.
Rudi Völler. Einer der besten Torjäger aller Zeiten.

 Pure Dynamik in Rom: Rudi Völler

Bildquelle: IMAGO

Samstag, 5. August 2017

HENNES POKALE Fuji-Cup

Freunde der Ritsch Ratsch Kamera,

lasst uns mal kurz des Fuji-Cups gedenken.
Er war ein Saisonvorbereitungsturnier, für die ersten vier Clubs der Vorjahrestabelle. Gespielt wurde in kleineren Fußballstädten wie Würzburg, Lüdenscheid, Koblenz oder Passau. 1986 als Casio-Cup gestartet wurde er bis 1996 ausgespielt. Fuji-Cup Rekordsieger ist der FC Bayern. Aber auch Dortmund, Frankfurt, Bremen und Stuttgart gewannen den Glaspokal. Und das Allerschönste war: er wurde nicht so ernst genommen. Keiner der Teilnehmer forderte Dank für seine Teilnahme ein.
Der Fuji-Cup, schlecht war der nicht.
                                               

Heute Abend: Supercup
Pokalsieger - Meister
Dortmund - Bayern


Supercup '87
HSV - Bayern
  Wegmann trifft gegen Stein
Stein trifft Wegmann




Bildquellen: imago sportfotodienst

HENNES ELEVEN Bastian Schweinsteiger

Bastian Schweinsteiger
Reingekämpft

Der Grund weshalb Bastian Schweinsteiger in Hennes Eleven steht ist simpel. Er hat gegen den 1. FC Köln zumeist gut gespielt.
Der FC gehört nicht zum täglich Fallobst der Bayern. Das sind meist enge Spiele. Ein Querschnitt:
Milivoje Novakovic dreht zur Fastelovendszick ein Spiel im Alleingang. Zack 3:2, unten war'n die Lederbuchsen!
Fabrice Ehret beschert Daum seinen einzigen Sieg in München. Kapitel zwei vom Nasenmann in Köln.
Feulner und Streit beantworten die T-Frage vor der WM 2006, Jens Lehmann darf Zettel lesen. Der Ehren halber, Oliver Kahn legt noch ein sensationelles Spiel um Platz 3 hin. Eines seiner Besten. Wenn der Druck mal weg ist! Hätte er das mal früher gewusst. In seiner Druckphase haute ihm der Herr Podolski den Ball in den Winkel. Und letztes Jahr Modeste? Bitte! Wie herrlich anzusehen dieser Kung Fu Kick! In die Kiste des Welttorhüters aus Gelsenkirchen-Buer. Am Ende noch die Chance auf’s 2:1… Ich schweife ab.
Jedenfalls, Schweinsteiger hat gegen Köln öfter den Takt gehalten als krumm gespielt. Das kann man ja ruhig mal erwähnen. Alles andere hätte ihm in der Nationalmannschaft auch blöde Sprüche eingebracht. Die gab es dann halt zu anderen Themen.
Bastian Schweinsteiger. Bei dem habe ich nix zu meckern.
Als sich Löw und Schweinsteiger nach dem WM Gewinn um den Hals fielen, war da keine Berechnung. Da waren nur zwei alte Jungs für die sich ein Traum aus Kindertagen erfüllte. Pure Freude. Verständlich, dass es die Beiden emotional erstmal wegflexte. Das war in all dem Gegröle echt rührselig. Kann man auch mal erwähnen.

*** / 2006✘ 2010✘ 2014✓ / ****

Bildquelle:Srdjan Suki

Freitag, 4. August 2017

HENNES MEINUNG Christian Streich wörtlich zum Neymar Transfer

Christian Streich
Trainer SC Freiburg

Ich hab’s schon so oft zitiert. Der Mammon steht nicht umsonst in den großen Büchern. In den Alten. Der Mammon ist eine der größten Gefahren für den Menschen. Dass der Mammon über sie Besitz ergreift. Und das musst du jedes Mal wieder reflektieren, das geht mir genauso. Ich rede nicht von den anderen Leuten, ich rede genauso von mir. Das ist eine enorme Gefahr. Ich lebe in einer Welt in der es um ganz viel Geld geht. Ich verdiene viel Geld. Ich bin hoch privilegiert. Aber es geht immer drum, sich die ganze Zeit darüber zu reflektieren.

Weil die Macht des Geldes ist grenzenlos. Es steht nicht umsonst in den großen Büchern. In allen Religionen steht’s. Es geht nicht um Religion, aber in allen großen Büchern steht es. Was macht Geld mit den Menschen? Aber die Einsicht kommt nicht bei den Menschen. Die Verführung ist zu groß. Man will Sicherheit. Das ist normal wenn du Geld hast.

Leute die sehr viel Geld haben, die wollen noch ein bisschen mehr Geld. Weil sie sich sagen -es ist ihr inneres Gefühl: ‚Ja aber, wenn das und das passiert, dann habe ich noch mehr Sicherheit'. Es ist nicht immer ein böser Gedanke dahinter, wenn man mehr Geld will.
Es ist die Sehnsucht nach Sicherheit und Anerkennung. Deshalb verdient einer 10 Millionen und der Andere will, das hört man manchmal, einen etwas größeren Vertrag. 11 Millionen. 
Warum will er die? 
Nicht weil er böse ist. Er will die Anerkennung und noch mehr Sicherheit. Man findet immer Argumente. Man hat eine Familie, noch eine größere Familie. Was ist wenn der krank wird? Was ist wenn…? Du findest immer Argumente. Das ist nicht böse wenn man das will. 
Aber das Geld… 
Es ist irreal. Es passieren völlig irreale Dinge. Aber diese irrealen Dingen kommen aus dem Bestreben raus: ‚Ja um Gottes Willen, wenn das und das passiert, dann habe ich nix mehr. Stell dir das mal vor!' Und je mehr du hast desto mehr denkst du dran was passieren könnte. Jemand der nicht viel hat der kann nicht dran denken, dass viel weg ist. Weil er nicht viel hat. Ich sage nicht, dass es ihm besser geht. Ich sage was psychologisch passiert. 

Und das ist Geld. Du musst dich die ganze Zeit damit auseinander setzen, dass dich Geld nicht beherrscht.
Es ist keiner glücklicher, weil er jetzt 100.000 im Monat verdient oder 50 Tausend. Das spielt keine Rolle. Es macht keinen Unterschied. Mehr als essen und... Null! Die Statistik sagt, es ist ein Unterschied ob du 800 Euro Netto im Monat verdienst und eine Familie ernähren musst. Und nicht kannst! Weil du ihr nichts kaufen kannst. Und die Anderen haben alle Spielzeug und iPad und dein Kind hat das nicht. Dann hast du ein Problem. Oder kannst ihm nichts geben. Oder darf nicht mit ins Schullandheim, wenn du keine 50 Euro hast.

Ob du drei ein halb Netto zur Verfügung hast, oder vier ein halb Netto, oder 50 Netto, es ist egal. Das weiß man aus Erhebungen. Man ist nicht glücklicher. Aber das Bestreben, nach noch einmal mehr Sicherheit und Anerkennung, das ist normal. Das geht mir genauso. Ich muss es immer reflektieren. Das ist der Prozess der jetzt stattfindet. 
Das ist so. Deswegen gibt es dazu eigentlich gar nichts mehr zu sagen. Wenn du psychologisch weißt wie der Mensch ist. Wie ich bin. 

Wir haben Financial Fairplay. Reglementierung. Entschuldigung, ich bin kein Experte zum Financial Fairplay. Ich sehe da manchmal:  
Oh ho! 250 Millionen Schulden. Och die haben sich einen Spieler gekauft. Aha, na ja gut, das ist der Gegenwert. Aha. Gut. Und bei den Anderen, die da grad untergehen? Die dann plötzlich insolvent sind? Ja haben die kein Gegenwert? Aha!' 
Wie wird das bemessen, das Financial Fairplay? Das ist immer so `ne Sache mit der Regel. Wenn du Regeln aufstellst, musst du sehr gut überlegen welche Regeln du dir aufstellst. Das Sie auch gerecht sind. Sonst machst du lieber keine Regeln. Wenn sie eh einfach umgangen werden können. Oder wenn es unterschiedliche Bemessungen gibt. Schwierig.

Von dem her. Mich interessiert es nicht. Mir ist es völlig egal, ob der 220 Millionen kostet, wirklich, oder 440 Millionen. Wirklich, das können Sie mir glauben. Ganz ehrlich. Es löst bei mir nichts mehr aus. Es ist mir völlig egal. Weil ich kann keine Unterscheidung mehr finden zwischen 220 und 440 Millionen. Bei den Summen... es übersteigt meine Fähigkeit das einzuordnen. Ich kann’s nicht einordnen. 

Reporterzwischenfrage: 
Aber guckt man nicht den Euro im eigenen Portemonnaie nochmal anders an, wenn man die anderen Rechnungen aufmacht? Ist da nicht doch ein Zusammenhang?                           

Streich: 
Wenn ich da im Fußball bin? Wenn ich da bin wo ich bin? Oder was meinen Sie?
     
Reporter: 
Da wo es Ihnen egal ist ob es 220 oder 440 Millionen sind.
  
Streich: 
Nein, es ist mir nicht egal! Ich kann es aber nicht mehr bemessen! Nein, es ist nicht egal! Natürlich ist es nicht egal! Aber ich habe keinen Zugriff mehr. 
Auch keinen mentalen. Keinen emotionalen Zugriff mehr. Was, was…? Wissen Sie! 
Ich will gar nicht mehr diese Summe lesen. Es interessiert mich nicht mehr! Ich lese es ja eh nicht. Ich hab es auch jetzt nicht gewusst! Zum Beispiel wieder. 
Es interessiert mich nicht. Es ist mir egal. Weil es passiert etwas… es ist schade… 
Ich weiß nicht wie es Leuten geht, die nichts haben. 
Wenn die das lesen. Welche Frustration eintritt und ob sie sagen: ‚Ja und ich geh arbeiten, für des und des. Und… eigentlich mach ich doch lieber nix und hol mir auch irgendwo was.' 
Wenn sie wissen was ich meine. 
Also ich weiß nicht, ob es förderlich ist für unsere demokratische Ordnung und für… ja, ja. Ich weiß nicht ob es gut ist. 
Ich glaube es ist nicht gut. Aber ich werde es nicht verhindern. 
Wir sind im irrealen Bereich, das was ich grad gesagt hab. 
Aber es ist grad Realität.

 Unbezahlbar. Christian Streich



Bildquelle: imago/R. Wittek, dpa

Donnerstag, 3. August 2017

HENNES ELEVEN Naldo

Naldo
Ronaldo Aparecido Rodrigues

Saison 2005/2006
Der letzte Winter vor dem Sommermärchen.

Norbert Maier spielt am Nikolausabend Knecht Ruprecht und hat eine Kopfnuss für Albert Streit dabei. Wer es nicht weiß, Norbert Maier ist Trainer des MSV Duisburg, Albert Streit Spieler vom 1. FC Köln. Maier, dieser falsche Fuffziger sinkt daraufhin zu Boden. Mimt das Opfer! Schmierentheater. Streit sieht rot. Für den Schiedsrichter - Manuel Gräfe - bringe ich mittlerweile sogar Verständnis auf. Wer glaubt schon, dass ein Trainer einen Spieler niederstreckt? Mit einem Mann weniger kommen wir nicht über ein 1:1 hinaus.
Es war ein Nachholspiel. So steht die Mannschaft fünf Tage später schon wieder auf dem Platz. Ohne den gesperrten Streit. Auch Podolski sitzt eine Gelbsperre ab. Es ist der 16. Spieltag. Gegner im Rhein-Energie-Stadion zu Müngersdorf, Werder Bremen. Bei diesem Club rumpelte Maier als Spieler, aber das nur nebenbei.

Der FC geht 1:0 in Führung. Das entspricht nicht ganz dem Spielverlauf, ist uns aber Wumpe.
Noch vor der Pause gleicht Werder aus. Naldo bringt einen Freistoß aus 30 Metern unhaltbar im Kölner Kasten unter. Vollspann, volles Karacho in den Winkel. Die ganze Südkurve staunt Bauklötze. Ich lasse mich dazu hinreißen anerkennend in die Hände zu klatschen. Meine Stehplatznachbarn sind etwas irritiert, ich frage: „Ja was denn?“ „Hast ja Recht, war nicht schlecht!“, ist die verständige Antwort.

Der ganze Verein Werder Bremen ist zu der Zeit nicht schlecht. In den zweiten 45 Minuten nehmen sie uns auseinander, 1:4 der Endstand. Die Meistermannschaft von 2004 war vom Erfolgsduo Allofs/Schaaf nochmal verstärkt worden. Micoud ist noch immer der überragende Spielmacher. Tim Borwoski spielt die beste Saison seines Lebens und im Sturm treffen Klose, Valdez und Klasnic nach Belieben. Am Ende der Saison stehen nur die Bayern besser da, als die Elf vom Weserstrand.

Auch in der Champions League hätten sie es weit bringen können. Doch der ganz in rosa gewandete Rheinländer Tim Wiese, rollt sich im Juventus Stadion einmal zu viel ab. Tags darauf rocken BAP andere kölsche Leeder, in Bremen. In tiefer Verbundenheit erscheinen sie in rosa Wiese Trikot. Aff un zo steht mer sich selvs em Wääsch. Kopp huh Jung!

Wenn ich an Werder Bremen denke, dann denke ich auch an den Fußballkommentator Rolf Töpperwien. Bisweilen wirkte er nicht wie ein objektiver ZDF Angestellter, sondern wie der persönliche Pressesprecher des Trainers, Otto Rehhagel. Ein Pressesprecher mit hohem Sendungsbewusstsein. Er war der Erste, der sich bei jedem Interview selbst mit ins Bild drängte. Nur den Spielern den Platz auf der Mattscheibe zu überlassen und schön brav aus dem Off zu arbeiten, kam für Töppi nicht infrage.
1992 so schien es, hatte er die komplette Bremer Flughafen Leitung unter seinen Fittichen.
Bremen gewann am Vortag, durch ein 2:0 über den AS Monaco, den Europapokal der Pokalsieger - je schneller man den Cup ausspricht, umso schöner wird's. Nun stehen der übliche Autokorso und die Feier auf dem Rathausbalkon an. Schon am Flughafen warten die Fans zu Tausenden, auf ihre Helden. Zusammen mit meinen Brüdern verfolge ich das Spektakel am Fernseher. Rolf Töpperwien kommentiert.

Das Flugzeug mit den Pokalhelden landet. Die Treppe wird herangefahren. Langsam gehen die Türen des Flugzeugs auf. Wie es um Töpperwiens Selbstverständnis bestellt ist, hören wir Sekunden später. Nur zu erzählen was geschieht reicht ihm nicht. Töppi dreht die ganz großen Räder. Inklusive staatsmännischer Huldigung für Konig Otto.
Voller Inbrunst und Überzeugung platzt es aus ihm heraus:
„Und ICH gebe jetzt das Signal! Otto Rehhagel betritt deutschen Boden.“

Meine Brüder und ich gucken uns an und platzen fast vor Lachen.
Töppis Betonung liegt eindeutig auf dem Ich. Was um alles in der Welt hat er damit zu tun, wenn die Tür des Flugzeugs aufgeht?
„Pilot an Tower! Können wir landen?“
„Einen Moment bitte. Töppi hat noch kein grünes Licht gegeben!“
Ja, ja...in deinen Träumen Digga!

Rolf Töpperwien, Europapokalsieger 1992


Bildquelle: noz.de

Mittwoch, 2. August 2017

HENNES ELEVEN Christian Wörns

Christian Wörns
Rostbratwurst

Ulrich Haberland setzte sich bei den Besatzungsmächten für den Fortbestand der Bayer AG ein.
Zuvor klagten ihn die Alliierten nicht wie andere Vorstandsmitglieder bei den I.G.-Farben-Prozessen an, da seine Vorstandsernennung nur mündlich erfolgte. Somit war keine Aktennotiz vorhanden.
Einer Nachkriegskarriere stand nichts im Wege. Die Briten sahen in ihm eine zukünftige Führungskraft. So wurde er bei der Neugründung der Bayer AG 1951, Vorstandsvorsitzender. Der Fußballplatz neben der Autobahn wurde noch zu Lebzeiten nach ihm benannt.

Am 18.11.1995 trafen sich dort im kapitalistischen Schwesternduell, Bayer 04 und Uerdingen 05. Bei denen hatte sich der große Tablettenkonzern, kürzlich erst aus dem Namen verabschiedet. Das Geld blieb aus, der KFC Uerdingen 05 stieg in der Folge ab. Das Oberhaus hat Krefeld seither nicht mehr gesehen. Nur der Gegner heißt manchmal noch Oberhausen.
Wir saßen auf der Gegengerade. Oder wie sie hier hieß, Familystreat. Drei befreundete Bayer Fans und ich, in der Hochphase unserer Pubertät. Die Karten gab es umsonst. Mit uns waren 18.600 Zuschauer zugegen.

Den eigentlichen Moment, in dem sich Christian Wörns in die Hennes Eleven spielte, habe ich gar nicht genau mitbekommen. Wir alle vier nicht. Es war ein Grottenkick. Nach einer Ecke für’n Bayer, entwickelt sich im Fünfmeterraum ein Gestocher um den Ball. Ein Knäuel aus Spielern. Die Einen schaffen es nicht den Ball im Tor unterzubringen, die Anderen es nicht ihn rauszuschlagen. Irgendwann ist er dann doch drin. Wie und wer? Keine Ahnung!

Status Quo plärrt aus den Boxen. Zwei pixelige Hände schlagen auf der hochmodernen Anzeigetafel ineinander. Um mich rum springen alle auf. Der Bayer hat ein Tor geschossen. Immerhin haben sich hier alle schnell wieder im Griff. Man setzt sich wieder. Mich hatte es nicht vom Sitz gehauen.
Der Stadionsprecher verkündet den neuen Zwischenstand.
„Torschütze. Der Spieler mit der Nummer vier…“

Ich springe hoch. Reiße beide Arme in die Luft. Drehe mich einmal um die eigene Achse. Zeige zugleich Bäcker Faust und Kuntz Säge. Interpretiere Roger Millas '90er Fahnentanz in '95 und brülle enthusiastisch heraus: „Jawoll! Der Wöri war`t!“
Mütter wie Väter halten ihren Kindern die Augen zu. Rentner klammern sich ängstlich aneinander fest.
Warum geht der denn jetzt so ab, ist die sich raumgreifende Frage.

Zwei meiner Freunde lachen lauthals auf und klatschen in die Hände. Sie wissen worauf meine Freude fußt. Der Andere sackt in sich zusammen, senkt den Kopf und hält sich die Hände vors Gesicht. Er hat einen kapitalen Bock geschossen.
Auf dem Weg ins Stadion hat er für den Fall der unmöglichsten Fälle, eine hohe Prämie ausgelobt. „Wenn der Wöri heute ein Tor macht, dann gebe ich jedem von euch `ne Rostbratwurst aus!“
Ich hörte nur Nummer 4 und wusste, die Beute ist im Sack. Christian Wörns hatte getroffen. In der Halbzeitpause gab es Rostbratwurst mit ordentlich Senf drauf. Der war ja auch umsonst. Preisleistungsverhältnis ist das Stichwort.

Bei ran sah ich später am Abend, der Wöri hatte ihn mit der Kniescheibe gemacht. Er konnte einfach nicht mehr wegziehen bevor er angeschossen wurde. Den Rest des Spiels habe ich null in Erinnerung. Ich dachte auch das Spiel ging 1:0 aus. Aber selbst das stimmt nicht. Wie es ausging? Das könnt ihr selber nachschauen. Musste ich ja auch.
Am Ende der Saison weinte dann Andi Brehme – der konnte links wie rechts - in Rudi Völlers Armen. Mit diesem romantischen Bild entlasse ich in die Nacht. Auf Wiederlesen.

 Gute Freunde kann niemand trenenn

Neuverpflichtung:

7. November 2017