Dienstag, 1. August 2017

HENNES ELEVEN Ralf Zumdick

Ralf Zumdick
Katze

Ein Schulfreund lud mich auf seinen 11. Geburtstag ein. Sein Opa war Zeugwart bei Bayer Leverkusen. Wir feierten bei einem Bundesligaspiel.

Vorher zeigte er uns noch die Katakomben des Stadions. Das erinnere ich alles vage. Kabinen mit Schwimmbadspinden und den grünen Liegen die auch beim Doktor stehen. Riesige Waschmaschinen in denen man super Verstecken hätte spielen können, aber natürlich nicht durfte. Dafür ließ uns der Opa im Presseraum Cola trinken. Cola trinken war immer `ne gute Option.

Dann ging es raus auf die Haupttribüne. Es wird nicht viele überraschen wenn ich sage, der Bayer war für mich damals nicht die große, weite Fußballwelt. Das war der kleine Club von nebenan, der vom Katzentisch wegwollte. Unterm Bayerkreuz ging es beschaulich zu. Das Stammpublikum von heute wuchs gerade erst heran.

Es ist der 27. Spieltag der Saison `90/`91. Kaiserslautern, Bremen, Bayern und Hamburg belegen die ersten vier Plätze und kämpfen noch um die Meisterschaft. Zum Ende wird es ein Zweikampf Kaiserslautern, Bayern. Die Pfälzer werden das Rennen machen. Weil sie eben doch nicht so blöd sind, wie Stefan Effenberg es ihnen unterstellt hat.

Der VfL Bochum 1848 ist zu Gast im Haberland. Sie verlieren mit 2:4. Halten am Ende aber selbstverständlich die Klasse.
Diesen Verein umweht zu der Zeit ein Mythos. Sie etablieren ein neues Wort im Fußballsprech. Unabsteigbar. Die Unabsteigbaren. Vor jeder Saison werden sie als Abstiegskandidat gehandelt. Jahr um Jahr schaffen sie den Klassenerhalt, oft erreichen sie ruhiges Fahrwasser im Mittelfeld der Tabelle. Seit der Saison 1971/72 kickte Bochum ununterbrochen erste Liga. Mit dem Bayer war man damals auf Augenhöhe. 1988 stand der VfL Bochum im Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt. Wilfried Heitmann war an diesem Tag Schiedsrichter. Er zerstörte alle Bochumer Titelträume. Ein lupenreines Tor der Bochumer erkannte er nicht an. Tragisch. Bestechung kann es ja nicht gewesen sein, die läuft ja nur woanders.

Die Bochumer Recken kannte ich alle. Bochum war auch immer die Mannschaft, von der ich gefühlt die meisten Paninibilder doppelt hatte. Rob Reekers und Jupp Nehl. Legende Walter Oswald. Rocco Milde und Marek Lesniak. Dazu zwei gleichstarke Torhüter.

In dieser Saison stand Andreas Wessels im Kasten.
Wie immer früher als die Feldspieler, kamen die Torhüter zum Aufwärmen raus.
Der Gästeblock lag damals noch links neben der Haupttribüne, da standen die meisten Bochumer unter den isgesamt 10.000 Zuschauern. Andreas Wessels wurde besungen und beklatscht. Jedoch die gößere Unterstützung und Anfeuerung erhielt die Nummer zwei, der Reservekeeper. Ralf „Katze“ Zumdick. „Katze! Katze!“ schallte es minutenlang von der Tribüne während er Wessels die Bälle in die Arme schoss. Das beeindruckte mich. Bisher hielt ich den Reservekeeper immer für die unwichtigste Person im Team. In Bochum war er also eine Vereinslegende. Alles eine Frage der Haltung. Sportlich nahm er den Kampf auf. In der neuen Saison kehrte Zumdick zwischen die Pfosten zurück. Sicher auch mit Unterstützung der VfL Fans.

Torhüter sind seit jeher spezielle Typen. Als Nummer zwei ein wichtiger Teil der Mannschaft zu sein, erfordert nochmal speziellere Eigenschaften. Zumdick hatte diese. Tom Starke wohl auch. Thomas Kessler ist auch so ein spezieller Typ. Die Nummer zwei bei Köln hinter Timo Horn. Er hat seine Hände auch nicht nur zum Tragen der KessCam. Letzte Saison konnte er das mehrfach beweisen. Timo Horn war verletzt. Kessler vertrat ihn. Seine Paraden in Gladbach werden wohl jedem FC Fan in Erinnerung bleiben. Wegjehauen ham wa se!


(fast) Pokalsieger 1988 VfL Bochum 1848


Bildquelle: vfl-bochum.de

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Neuverpflichtung:

7. November 2017