Freitag, 4. August 2017

HENNES MEINUNG Christian Streich wörtlich zum Neymar Transfer

Christian Streich
Trainer SC Freiburg

Ich hab’s schon so oft zitiert. Der Mammon steht nicht umsonst in den großen Büchern. In den Alten. Der Mammon ist eine der größten Gefahren für den Menschen. Dass der Mammon über sie Besitz ergreift. Und das musst du jedes Mal wieder reflektieren, das geht mir genauso. Ich rede nicht von den anderen Leuten, ich rede genauso von mir. Das ist eine enorme Gefahr. Ich lebe in einer Welt in der es um ganz viel Geld geht. Ich verdiene viel Geld. Ich bin hoch privilegiert. Aber es geht immer drum, sich die ganze Zeit darüber zu reflektieren.

Weil die Macht des Geldes ist grenzenlos. Es steht nicht umsonst in den großen Büchern. In allen Religionen steht’s. Es geht nicht um Religion, aber in allen großen Büchern steht es. Was macht Geld mit den Menschen? Aber die Einsicht kommt nicht bei den Menschen. Die Verführung ist zu groß. Man will Sicherheit. Das ist normal wenn du Geld hast.

Leute die sehr viel Geld haben, die wollen noch ein bisschen mehr Geld. Weil sie sich sagen -es ist ihr inneres Gefühl: ‚Ja aber, wenn das und das passiert, dann habe ich noch mehr Sicherheit'. Es ist nicht immer ein böser Gedanke dahinter, wenn man mehr Geld will.
Es ist die Sehnsucht nach Sicherheit und Anerkennung. Deshalb verdient einer 10 Millionen und der Andere will, das hört man manchmal, einen etwas größeren Vertrag. 11 Millionen. 
Warum will er die? 
Nicht weil er böse ist. Er will die Anerkennung und noch mehr Sicherheit. Man findet immer Argumente. Man hat eine Familie, noch eine größere Familie. Was ist wenn der krank wird? Was ist wenn…? Du findest immer Argumente. Das ist nicht böse wenn man das will. 
Aber das Geld… 
Es ist irreal. Es passieren völlig irreale Dinge. Aber diese irrealen Dingen kommen aus dem Bestreben raus: ‚Ja um Gottes Willen, wenn das und das passiert, dann habe ich nix mehr. Stell dir das mal vor!' Und je mehr du hast desto mehr denkst du dran was passieren könnte. Jemand der nicht viel hat der kann nicht dran denken, dass viel weg ist. Weil er nicht viel hat. Ich sage nicht, dass es ihm besser geht. Ich sage was psychologisch passiert. 

Und das ist Geld. Du musst dich die ganze Zeit damit auseinander setzen, dass dich Geld nicht beherrscht.
Es ist keiner glücklicher, weil er jetzt 100.000 im Monat verdient oder 50 Tausend. Das spielt keine Rolle. Es macht keinen Unterschied. Mehr als essen und... Null! Die Statistik sagt, es ist ein Unterschied ob du 800 Euro Netto im Monat verdienst und eine Familie ernähren musst. Und nicht kannst! Weil du ihr nichts kaufen kannst. Und die Anderen haben alle Spielzeug und iPad und dein Kind hat das nicht. Dann hast du ein Problem. Oder kannst ihm nichts geben. Oder darf nicht mit ins Schullandheim, wenn du keine 50 Euro hast.

Ob du drei ein halb Netto zur Verfügung hast, oder vier ein halb Netto, oder 50 Netto, es ist egal. Das weiß man aus Erhebungen. Man ist nicht glücklicher. Aber das Bestreben, nach noch einmal mehr Sicherheit und Anerkennung, das ist normal. Das geht mir genauso. Ich muss es immer reflektieren. Das ist der Prozess der jetzt stattfindet. 
Das ist so. Deswegen gibt es dazu eigentlich gar nichts mehr zu sagen. Wenn du psychologisch weißt wie der Mensch ist. Wie ich bin. 

Wir haben Financial Fairplay. Reglementierung. Entschuldigung, ich bin kein Experte zum Financial Fairplay. Ich sehe da manchmal:  
Oh ho! 250 Millionen Schulden. Och die haben sich einen Spieler gekauft. Aha, na ja gut, das ist der Gegenwert. Aha. Gut. Und bei den Anderen, die da grad untergehen? Die dann plötzlich insolvent sind? Ja haben die kein Gegenwert? Aha!' 
Wie wird das bemessen, das Financial Fairplay? Das ist immer so `ne Sache mit der Regel. Wenn du Regeln aufstellst, musst du sehr gut überlegen welche Regeln du dir aufstellst. Das Sie auch gerecht sind. Sonst machst du lieber keine Regeln. Wenn sie eh einfach umgangen werden können. Oder wenn es unterschiedliche Bemessungen gibt. Schwierig.

Von dem her. Mich interessiert es nicht. Mir ist es völlig egal, ob der 220 Millionen kostet, wirklich, oder 440 Millionen. Wirklich, das können Sie mir glauben. Ganz ehrlich. Es löst bei mir nichts mehr aus. Es ist mir völlig egal. Weil ich kann keine Unterscheidung mehr finden zwischen 220 und 440 Millionen. Bei den Summen... es übersteigt meine Fähigkeit das einzuordnen. Ich kann’s nicht einordnen. 

Reporterzwischenfrage: 
Aber guckt man nicht den Euro im eigenen Portemonnaie nochmal anders an, wenn man die anderen Rechnungen aufmacht? Ist da nicht doch ein Zusammenhang?                           

Streich: 
Wenn ich da im Fußball bin? Wenn ich da bin wo ich bin? Oder was meinen Sie?
     
Reporter: 
Da wo es Ihnen egal ist ob es 220 oder 440 Millionen sind.
  
Streich: 
Nein, es ist mir nicht egal! Ich kann es aber nicht mehr bemessen! Nein, es ist nicht egal! Natürlich ist es nicht egal! Aber ich habe keinen Zugriff mehr. 
Auch keinen mentalen. Keinen emotionalen Zugriff mehr. Was, was…? Wissen Sie! 
Ich will gar nicht mehr diese Summe lesen. Es interessiert mich nicht mehr! Ich lese es ja eh nicht. Ich hab es auch jetzt nicht gewusst! Zum Beispiel wieder. 
Es interessiert mich nicht. Es ist mir egal. Weil es passiert etwas… es ist schade… 
Ich weiß nicht wie es Leuten geht, die nichts haben. 
Wenn die das lesen. Welche Frustration eintritt und ob sie sagen: ‚Ja und ich geh arbeiten, für des und des. Und… eigentlich mach ich doch lieber nix und hol mir auch irgendwo was.' 
Wenn sie wissen was ich meine. 
Also ich weiß nicht, ob es förderlich ist für unsere demokratische Ordnung und für… ja, ja. Ich weiß nicht ob es gut ist. 
Ich glaube es ist nicht gut. Aber ich werde es nicht verhindern. 
Wir sind im irrealen Bereich, das was ich grad gesagt hab. 
Aber es ist grad Realität.

 Unbezahlbar. Christian Streich



Bildquelle: imago/R. Wittek, dpa

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Neuverpflichtung:

7. November 2017