Sonntag, 6. August 2017

HENNES ELEVEN Rudi Völler

Rudi Völler 
Torjäger

Seit einer Viertelstunde versuchten sie es.
Rudi Völler sollte sein Tor erzielen.
Mit der letzten Möglichkeit klappte es.
Hans-Peter Lehnhoff zog eine Flanke von der rechten Seite, butterweich an den Fünfmeterraum. Dort lauerte Völler. Seit seiner Einwechslung bemühten sich die Mitspieler, die eine Chance für ihn herauszuspielen. Jetzt war sie da und Rudi selbstverständlich auch. Schulbuchmäßig nickte er den Ball ins Tor.
4:0 für Bayer Leverkusen gegen Eintracht Frankfurt.
Zur Nennung des Torschützen nutzte die Stadionregie, die gesamte Breite der Anzeigetafel aus.

4:0 Ruuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuudiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii (90.)

Der Mann war beliebt wie damals kein Zweiter.
Wie vor ihm nur Uwe Seeler - nach ihm nur Podolski.
Vor seiner Einwechslung lief er zwischen den beiden Blöcken A und G, die Torauslinie auf und ab. Es war egal auf welchen Block er zulief. Jedes Mal schallte ihm der lang und länger gezogene Ruf seines Namens entgegen. Dies ist insofern bemerkenswert, da im G-Block die Fans der Eintracht standen. Mit ehemaligen Kickers Offenbach Spielern können die für gewöhnlich nichts anfangen. Rudi war aber nicht gewöhnlich.
Rudi war die große Ausnahme. Er quittierte die Rufe zunächst mit Zuwinken, nach dem fünften Mal dann mit Abwinken. Inklusive typisch verschmitztem Völler Grinsen.
Das Spiel lief an einem sonnigen Sonntagabend, Ende August ´94. Ich erwähnte es schon im Text über Bernd Schuster. Genau in diesem Spiel erzielte Schuster das Tor des Jahrzehnts.
Ich hätte es nicht schauen können, wäre das Spiel samstags gewesen. Aber sonntags gab es frisches Taschengeld. Zusammen mit den restlichen Münzen der Vorwoche, reichte mein Budget für die Eintrittskarte. So schwang ich mich am späten Nachmittag aufs Rad und fuhr die fünfzehn Kilometer zum Stadion.
Es war die Zeit in der die Legionäre heimkamen. Matthäus nach München, Effenberg nach Gladbach, Andreas Brehme –der konnte links wie rechts- nach Kaiserslautern. Reuter, Sammer, Möller und Riedle -später noch Kohler- für zwei Meisterschaften und eine Champions League nach Dortmund.

Hatten sich die Transferbemühungen von Bayer 04 bisher überwiegend auf Brasilianer und ehemalige DDR Nationalspieler beschränkt, mischte man jetzt erstmals im Transfergebaren der Topclubs mit. Erst ´93 Bernd Schuster, jetzt Rudi Völler. Als die beiden wieder weg waren kam Christoph Daum an die Seitenlinie. Mit ihm dann auch endlich der maximale sportliche Erfolg. Schöner Fußball ohne Titel.
Den hätte es sicherlich gegeben, wenn Calmund auch mal Geld für einen richtigen Torwart in die Hand genommen hätte. Bei Oliver Kahn scheute er das Risiko, die Bayern griffen zu. So dauerte es noch viele Jahre bis - nach Rüdiger Vollborn - mal wieder ein brauchbarer Torwart im Kasten der Werkself stand. Da war das Vize-Image längst begründet. Jeder trägt halt den Schuh in den er schlüpft.

In seiner ersten Saison traf Völler 16 Mal in 30 Spielen, war jeweils überragend in den rheinischen Duellen gegen Köln und Gladbach. Insgesamt lief die Saison jedoch nicht rund für Bayer 04. Nur Platz 7 am Ende. Seine letzte Saison bescherte ihm dann Abstiegskampf pur. Eine neue Erfahrung. Zehn Tore steuerte er zum Klassenerhalt bei. Ein versöhnlicher Abschluss einer großen Karriere.
Der früh ergraute Wolf hing seine Schuhe an den Nagel.
Rudi Völler. Einer der besten Torjäger aller Zeiten.

 Pure Dynamik in Rom: Rudi Völler

Bildquelle: IMAGO

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Neuverpflichtung:

7. November 2017